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Der Zopf von Laetitia Colombani — Buchclub

Laetitia_Colombani_Der_Zopf

Titel: Der Zopf
Autorin: Laetitia Colombani
Verlag: FISCHER Taschenbuch; 4. Edition (23. Oktober 2019)
Gebundene Ausgabe: 272 Seiten

Kurz und Knapp:

Drei Frauen, drei Leben, drei Kontinente – dieselbe Sehnsucht nach Freiheit

Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzt Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin  Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung.

Keywords: Schicksale, Kraft, Frauen, Durchsetzungsvermögen


Nachdem der Buchclub für mehr als ein Jahr eingeschlafen war, klappt das mit unserem fixen Termin am ersten Donnerstag im Monat deutlich besser. Auch, wenn wir immer noch bereit sind, das aktuelle Buch einen weiteren Monat aufzuschieben, falls nicht alle durch sein sollten, haben wir gemeinsam schon deutlich mehr über gelesene Bücher gesprochen als davor. Offenbar geht das neue Buchclub-Konzept auf. In diesem Monat mussten wir gar nichts aufschieben. Alle haben es geschafft das Buch des Monats innerhalb des Monats auszulesen und so konnten wir uns vergangenen Donnerstag darüber austauschen.

Drei Frauen, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnten stehen in Der Zopf von Laetitia Colombani im Mittelpunkt. Smita, eine Frau der untersten Kaste in Indien muss die Scheiße mit bloßer Hand wegwischen, um für Sauberkeit zu sorgen. Alles, was sie sich wünscht, ist ein besseres Leben für ihre Tochter. Sie soll lernen zu lesen und schreiben. Giulia in Italien entdeckt die Liebe zu einem Zeitpunkt, an dem ihr Vater im Koma liegt. Parallel dazu bemerkt sie die schlechte Situation des Familienunternehmens, für das der Vater immer alles gegeben hat. Sie will es umkrempeln, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben es zu retten. Sarah lebt und arbeitet in Kanada. Sie ist ehrgeizig, verbissen und ihr einziges Ziel scheint der Aufstieg zur Partnerin in der Anwaltskanzlei zu sein, für die sie arbeitet. Zumindest bis zu dem Moment, als sie von ihrer schweren Erkrankung erfährt. Doch auch dann versucht sie noch alles, um so weiterzumachen – strebsam ihr Ziel anzuvisieren – wie bisher, bis es dann nicht mehr geht.

Laetitia_Colombani_Der_Zopf_(Extra)

Alle drei Frauen sind stark oder versuchen stark zu sein, haben ihr Ziel fest vor Augen und haben dennoch vollkommen unterschiedliche Herausforderungen zu bewältigen. Alle auf ihre Weise kompliziert.

Die Geschichte schafft es zu fesseln. Zum einen liegt das an der raschen Erzählweise und der kurzen Kapitel in Verbindung mit einem stetigen Wechsel der Perspektiven, zum anderen an der konstruierten Handlung an sich. Alle drei Geschichten haben ihren eigenen Reiz und sind dennoch miteinander verbunden. Verbunden aber nicht in dem Sinne, dass die Frauen am Ende aufeinander treffen oder irgendwie anders eine Beziehung zueinander aufbauen. Die Verbindung ist eher anderer Natur.

Ich finde den Titel des Buches durchaus treffend gewählt, wobei anfangs nicht. Für mich ist ein Zopf im Alltag eher mit einem Pferdeschwanz gleichzusetzen als durch drei Haarsträhnen, die miteinander verflochten sind. Der Duden sagt hier aber, dass ich im Unrecht bin. Während des Buchclubs-Treffens wurde das extra nachgeschlagen. ;) Nun gut…und dennoch ist der Titel für mich nur teilweise perfekt gewählt. Es geht um drei Frauen/Leben – drei Haarsträhnen, die miteinander verbunden sind. Okay, das trifft zu. Sie sind dabei jedoch nicht so eng miteinander verwoben, wie ein Zopf, in dem die Strähnen wirklich immer wieder ineinander verworren sind. In der Geschichte des Buches ist es eher so, dass die Leben im weitesten Sinne zwar Ähnlichkeiten aufweisen, eine Verbindung aber nur am Ende einmal vorhanden ist. Für mich müsste es also eher ein Pferdeschwanz sein, von dem drei einzelne Strähnen separat voneinander runterhängen. ^^

Im Buchclub haben wir auch diskutiert, welche Geschichte uns am meisten beeindruckt hat. Die meisten waren hier ganz bei der Inderin Smita, vielleicht weil sie die schlechtesten Ausgangsbedingungen hat und so viel aufs Spiel setzt. Mir hat die Geschichte ebenfalls sehr gefallen bis auf ein großes Manko. Achtung – Spoiler beginnt: Zunächst spricht Smita davon, dass sie es mit ihrem Mann so gut getroffen hat, er ihr keine Gewalt antut und sie gut behandelt, sie schätzt. Doch dann will sie mit der Tochter für ein besseres Leben fliehen und lässt ihn zurück, hauptsächlich aus Angst, dass er sie aufhält. Als er aber in dem Moment, wo sie mit ihrer Tochter im Bus zu Beginn der Flucht sitzt, auftaucht und versucht zu ihnen zu rennen, unternimmt Smita nichts. Sie versucht nicht wieder aus dem Bus herauszukommen und auch nicht den Bus anzuhalten. Warum wird hier erst beschrieben, dass sie es mit ihrem Ehemann gut getroffen hat, wenn sie ihm dann doch die Tochter wegnimmt, um für ein besseres Leben zu fliehen? Das will mir einfach nicht in den Kopf… Spoiler vorbei. Nur eine aus dem Buchclub fand die Erzählung rund um Smita nicht wirklich überzeugend. Der Grund dafür ist der, dass sie schon zahlreiche Geschichten von indischen Frauen, die sich aus ihrer Situation herauskämpfen, gelesen hat und diese im Vergleich deutlich schwächer fand.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Ich habe es erst wenige Minuten vor dem Buchclub-Treffen beenden können. Das lag aber nicht am Inhalt, die Story hat gefesselt. Ich kam einfach nicht eher dazu es zu lesen. ;)

Meine Bewertung zum Buch:

Story

Originalität

Spannung

Überraschungseffekt

Schreibstil

Weiterempfehlung

Gesamt

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