Zum Inhalt springen

Lesung von Arno Strobel

Lesung_Arno_Strobel_Spy

Als wir, zwei Freunde und mein Mann zusammen mit mir, die Stadtbibliothek in Braunschweig betreten und zu dem Raum der Lesung Treppen hochsteigen, steht Arno Strobel schon quatschend zwischen den Stuhlreihen.

Ungewohnt im Vergleich zu anderen Lesungen, die ich bisher erlebt habe. Ungewohnt locker und dadurch auf Anhieb noch sympathischer.

Arno Strobel stellt seine Jugend-Thriller-Reihe „SPY“ vor.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Arno Strobel, vor allem an die jüngeren Zuhörer gerichtet und dann auch an die „junggebliebenen Erwachsenen“, legt er auch schon los.

Er gibt einen kurzen Einblick in seinen Werdegang und berichtet knapp von einem Bewerbungsgespräch. Da hat ein Personaler mal den berühmten roten Faden in seinem Lebenslauf gesucht, jedoch eher ein rotes Knäuel gefunden. Strobel hat nämlich ziemlich viel ausprobiert, bis er sich letzten Endes dem Schreiben gewidmet hat.

Er behauptet von sich erst im Alter von 40 wirklich mit dem Schreiben begonnen zu haben, stellt aber auch fest, dass er bereits früher seine ersten Schreib-Schritte gemacht hat. Beispielsweise hat ihm ein Kumpel im Jugendalter die „Ohren vollgeheult“, weil seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat. Mit ihr zu reden hat er sich nicht getraut, schreiben konnte er gleich gar nicht. Also verfasste Arno Strobel einen glühenden Liebesbrief im Namen seines Kumpels. Der Kumpel und das umgarnte Mädchen wurden wieder ein Paar, allerdings hielt das Ganze nur zwei Wochen. Und dennoch: Freunde erkannten Strobel’s Talent und steckten ihm regelmäßig Zettelchen mit Notizen für zu verfassende Liebesbriefe zu. Ein weiteres Beispiel für Strobel’s lange versteckten Schreibkünste ist ein Aufsatz im Deutschunterricht. Die Lehrerin forderte von allen Schülern diesen berühmten „Dein schönstes Ferienerlebnis“-Aufsatz. Strobel empfand das als unfair. Alle andere haben in ihren Ferien ferne Länder bereist und er war „nur“ zu Hause. Was also sollte er schreiben? Diese Frage stellte er seiner Lehrerin und sie hat ihm empfohlen sich einfach etwas auszudenken. Der Freifahrtsschein für Strobel. Er erfand eine mehrwöchige Reise an den Amazonas mit exotischen Tieren und gefährlichen Banditen. Der Aufsatz kam so gut an, das er sogar von einer lokalen Zeitung abgedruckt wurde.

Auch wenn das Schreiben von Büchern erst relativ spät zum beruflichen Mittelpunkt im Leben Strobel’s wurde, entdeckte er die Liebe zum Lesen von Büchern schon als Kind. Die ersten Bücher, an die er richtig positive Erinnerungen hat, sind Winnetou 1 und 2 von Karl May. Später widmete er sich eher Büchern von Stephen King. Er verschlang alles von ihm. Durch Stephen King war das Genre, in dem er selbst Bücher schreibt, beschlossene Sache — 21 Bücher in 9 Jahren.

    

Strobel sucht das Gespräch zu seinen Zuhörern. Er liebt es in Lesungen auch auf die Leser seiner Bücher eingehen zu können. Besonders genießt er die Fragen der Kinder und Jugendlichen. Diese werden so frei heraus ohne vorheriges Abwiegen, was jetzt andere denken, gestellt. Bei Erwachsenen gibt es kaum noch unerwartete Fragen, zwar ändern sich Formulierungen aber letztes Endes wollen sie alle auf irgendwann bereits gestellte Fragen und bereits gegebene Antworten hinaus. Ein Junge aus dem Publikum fragt zum Beispiel nach der Farbe des alten Fabrikgebäudes, das Strobel in seinem Buch erwähnt. Strobel lässt daraufhin den Jungen die Farbe aus seiner Vorstellung beschreiben und erklärt daran die Empfehlung aus Schreibratgebern „Show, don’t tell“.

Strobel freut sich außerdem noch über Fragen nach Autogrammen. Während Sänger oder Schauspieler häufig keinen unbemerkten Schritt auf der Straße unternehmen können, werden Autoren fast nie erkannt. Ausgenommen sind natürlich Buchmessen oder Lesungen. Aber das Ansprechen auf der Straße ist schon noch etwas Besonderes. Und auch hier hat Strobel eine nette Anekdote aus seinem Winterurlaub in Österreich parat. Er hat dort nämlich in einem tollen Restaurant gegessen und sich zum Abschluss bei der Kellnerin Sonja  für die nette Bedienung und alles bedankt, sich aber gleichzeitig auch verabschiedet und gesagt, er würde jetzt zur Bar wechseln, um noch etwas zu trinken. Sonja bat ihn um ein Autogramm. Er total begeistert, holt kurz ein Buch und Autogrammkarten, um ihr alles zu überreichen. Der Abend an der Bar vergeht, immer wieder lächeln sie sich zwischendurch kurz zu. Strobel extrem glücklich darüber in Österreich erkannt worden zu sein, nicht „nur“ in Deutschland. Doch dann geht der Abend dem Ende zu. Strobel verlässt die Bar und Sonja kommt nochmal auf ihn zu und bittet ihn etwas peinlich berührt nun doch nochmal um ein Autogramm auf der Rechnung. Denn das war alles, was sie ursprünglich von ihm wollte. ;)

Strobel liest insgesamt drei Mal während seiner Lesung etwas vor. Die ersten Kapitel aus den bisher zwei erschienenen Jugend-Thrillern der SPY-Reihe und eine Kurzgeschichte. Strobel liest immer den Anfang seiner Bücher vor. Er greift nicht auf bestimmte Passagen mitten in seinen Büchern zurück und das hat einen Grund. Er geht vor wie bei einem Bücherkauf. Beim Stöbern in der Buchhandlung werden wir Kunden zunächst von Eyecatchern zu Büchern hingezogen. Das ist immer das Cover. Gefällt das Cover, lesen wir den Klappentext. Gefällt der Klappentext, lesen wir in die ersten Seiten hinein. Konnte das überzeugen, wird das Buch gekauft. Keiner fragt den Buchhändler danach ihm die spannendsten Stellen des jeweiligen Buches vorzustellen. Und deswegen liest er die ersten Kapitel in Lesungen. Die Kurzgeschichte hat er aufgrund der Altersstruktur relativ spontan vorgelesen. Es waren, trotz eines vorgestellten Jugend-Thrillers, deutlich mehr Erwachsene anwesend und er wollte es für alle Anwesenden interessant gestalten. Die Kurzgeschichte hieß „Eine Frage der Autorität“  und war extrem unterhaltsam. Thema der Geschichte ist ein Papa, der die Aufsicht eines Kindergeburtstags übernimmt. Schließlich übernimmt solche Veranstaltungen mit vielen „verhaltenskreativen Kindern „meistens die Mama.

Alles in allem war die Lesung richtig witzig und die Zeit verging wie im Flug. Strobel hat in der Lesung natürlich noch viel mehr erwähnt, als ich jetzt in diesem kurzen Einblick. Doch es soll ja auch nicht alles detailliert wiedergegeben werden. Ihr sollt schließlich noch einen Grund haben eine Lesung von ihm zu besuchen. Empfehlenswert ist es auf jeden Fall. ;)Lesung_Arno_Strobel_Spy_(Autogramm)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.