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Leere Herzen von Juli Zeh — Buchclub

Juli_Zeh_Leere_Herzen

Titel: Leere Herzen
Autorin: Juli Zeh
Verlag: btb Verlag; 1. Edition (8. April 2019)
Taschenbuch: 352 Seiten

Es gibt tatsächlich immer noch Menschen, die so tun, als könnte man dieser durchgedrehten Welt mit Haltung begegnen.

Britta Söldner ist desillusioniert und pragmatisch. Wie ihr Geschäftspartner Babak hat sie den Glauben an eine bessere Zukunft verloren – und sie hat nicht die geringste Lust, deswegen Schuldgefühle zu haben. Bis Brittas ganze Welt in ihren Grundfesten erschüttert wird. Und sie gezwungen wird, ihr Leben, ihre Beziehungen, ihre Überzeugungen und Werte noch einmal ganz neu zu überdenken …

Keywords: Gesellschaftskritik, Selbstmord, Therapie, Geschäftsmodell


Britta verbringt ihre Zeit am liebsten beim Arbeiten. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Babak hat sie <<Die Brücke>> aufgebaut.

Doch ebenfalls gerne verbringt sie Zeit mit ihrer Familie, insbesondere ihrer kleinen Tochter Vera.

Durch sie hat Britta sogar eine gute Freundin gefunden. – Janina, bei klassischen Play-Dates der Kinder kennengelernt und ihre Freundschaft hält sogar noch, obwohl beide Kinder unterschiedliche Schulen besuchen.

Bei einem gemeinsamen Abendessen der beiden Familien wird über alles Mögliche, auch Politik, gesprochen als im Fernsehen von einem Terroranschlag berichtet wird, der Britta nervös macht.

Ich muss gestehen, dass ich gar nicht so richtig weiß, was ich über dieses Buch sagen soll. Es hat mir nicht viel gegeben. Ich war erleichtert und ein Stück weit froh, als ich das Buch endlich ausgelesen zur Seite legen konnte. Die erste Hälfte des Romans las sich zwar noch einigermaßen interessant weil man als Leser noch eine gewisse Erwartungshaltung innehat, doch ab der Hälfte ging es für mich nur noch bergab. Ich fand es auch irgendwann schwierig der Geschichte zu folgen. Nun kann das entweder an meiner ohnehin schon dem Ende herbeisehnenden Stimmung gelegen haben oder einfach der Tatsache geschuldet sein, dass die Story zu abrupt endet und zu lückenhaft beendet wird. Wer weiß. Ich fand es auf jeden Fall langweilig, öde und trist. Den meisten im Buchclub ging das ähnlich. Nur eine Person bildete die Ausnahme und war von dem Werk angetan.

Das einzig Positive, dass ich diesem Werk von Juli Zeh, einer Autorin, von der ich zuvor noch kein Buch gelesen habe und wohl auch zu keinem zweiten greifen werde, abgewinnen konnte, war der Ort des Geschehens: Braunschweig – mein aktueller Wohnort. Anders als die gängige Meinung meiner Buchclub-Mitstreiter empfand ich Zeh’s Beschreibung der Stadt durchaus treffend. Eine Durchschnittsstadt, die bis auf wenige Ausnahmen nicht viel zu bieten hat, deren Kriminalisierungsrate jedoch deutlich geringer als die anderer Großstädte (wie z.B. Hamburg) ist.

Durchaus interessant empfand ich ebenfalls das Geschäftsmodell, welches sich hinter <<Der Brücke>>, dem Unternehmen der beiden Protagonisten Britta und Babak, verbirgt. In einem Zwölf-Schritte-Programm begleiten sie Selbstmordgefährdete mit dem Ziel diese davon abzubringen. Gelingt dies nicht, soll ihr Selbstmord wenigstens einen Sinn haben, gewissermaßen einen höheren Zweck erfüllen, wozu sie verschiedenen Organisationen als „Selbstmordattentäter“ vermittelt werden. Weniger als zehn Prozent gelangen auf diese Stufe, die meisten verlassen das Programm vorher. Dieses zwölf-Schritte-Programm ist vermutlich inspiriert von dem 12-Schritte-Programm of Recovery der AA (Alcoholic Anonymous), es orientiert sich natürlich nicht vollständig daran, denn zum Beispiel ist die Foltermethode Waterboarding, einer der Schritte aus dem Buch, darin natürlich nicht enthalten. Den Bezug zu dem AA-Programm hat eine aus dem Buchclub erwähnt und ich fand den sehr passend.

Insgesamt lese ich Dystopien gerne, diese hier ist mir jedoch zu politisch und gesellschaftskritisch ausgerichtet und vermutlich deshalb so gar nichts für mich. Wer darauf aber steht, könnte bei Zeh’s „Leere Herzen“ fündig werden. Alle anderen: Finger weg von dem Buch. ;)

Meine Bewertung zum Buch:

Story

Originalität

Spannung

Überraschungseffekt

Schreibstil

Weiterempfehlung

Gesamt

Ein Kommentar

  1. Hi Linda,
    es ist schon eine Weile her, dass ich „Leere Herzen“ von Juli Zeh als Hörbuch gehört habe. Ich fand die Geschichte bedrückend und habe das Ende bis heute nicht wirklich verstanden. Was mich genervt hat, war die Gesellschaftskritik verpackt in Nebensätzen, wie z.B. der Running Gag, das Leute, die ein bedingungsloses Grundeinkommen beziehen „nichts“ aus ihrem Leben machen. Allerdings fällt mir gerade auf, dass das Buch ja aus Brittas Perspektive erzählt wird und die Beschreibungen daher vielleicht auch „ihre Note“ bekommen.
    Das mit dem 12 Schritte Programm hatte ich echt nicht mehr auf dem Schirm. Ich dachte, es ginge in den 12 Schritten darum, die Leute auf die „Probe“ zu stellen und nicht sie vom Suizid wegzubringen.

    Mein erstes Buch von Juli Zeh war „Unterleuten“. Da geht es um das gleichnamige fiktive buch, in dem ein Windpark (glaube ich :) ) gebaut werden soll. Nach und nach kippt die Stimmung im idyllischen Dorf. Das fand ich sehr gut herausgearbeitet.
    Ich kann aber gut nachvollziehen, dass dir die Lust auf weitere bücher von Juli Zeh erst einmal vergangen ist.
    viele Grüße
    Emma

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