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Afterdark von Haruki Murakami — Buchclub

Haruki_Murakami_Afterdark

Titel: Afterdark
Autor: Haruki Murakami
Verlag: btb Verlag (2. Juli 2007)
Taschenbuch: 240 Seiten

Kurz und Knapp:

Geschichten zwischen Mitternacht und Morgengrauen: Die 19-jährige Mari, ihre schöne, aber unglückliche Schwester Eri, der unscheinbare Posaunist, die Prostituierte aus einem Love-Hotel und ein gewissenloser Freier streifen durch das nächtliche Tokyo. Sie alle sind umgeben von Geheimnissen, die gelüftet werden wollen, noch ehe der Tag anbricht.

Keywords: Depression, Gewalt, Gespräche, Vertrauen


Im Fokus des Romans von Murakami steht Mari, eine intelligente junge Frau, die beschließt die Nacht auf den Straßen Tokyos zu verbringen. Dabei liest sie zu Beginn in einem Café für Familien ein Buch. Obwohl sie darin scheinbar völlig vertieft ist, spricht sie der Posaunist Tetsuya Takahashi an. Beide kennen sich bereits flüchtig von einem Doppeldate, lernen sich in dieser Nacht durch Gespräche aber erst wirklich kennen.

Maris Schwester, die wunderschöne Eri, die bereits erste  Erfahrungen als Model sammeln konnte, schläft. Sie schläft schon seit Monaten und will einfach nicht mehr aufstehen. Niemand weiß oder ahnt, was dahinter steckt.

Haruki_Murakami_Afterdark_(Extra1)

Für mich war dies das erste Buch von Murakami. Ich kann also keinen Vergleich zu seinen anderen Werken ziehen, sondern nur meine Einschätzung zu diesem hier abgeben. Zu dem Werk hätte ich ohne den Buchclub, in dem ich aktiv bin, nie gegriffen. Enttäuscht wurde ich aber nicht.

Ob ich das Buch vollends verstanden habe, bezweifele ich allerdings. Schließlich heißt es vielfach, dass das Buch für Europäer nicht wirklich zu verstehen ist. Ich habe aber für mich meine Schlüsse und mein Verständnis daraus gezogen und letzten Endes kommt es beim Lesen doch darauf an, was wir als einzelne Person aus einem Buch ziehen und wie wir es verstehen. Sichtweisen können eben auseinander gehen. Was die exakte Intention des Autors gewesen ist, habe ich nicht recherchiert. Ich konzentriere mich also auf meine Sicht und auf die Diskussionen, die wir im Buchclub geführt haben, als wir das Buch besprochen haben.

Der Roman ist mit 238 Seiten, aufgeteilt auf 18 Kapitel, kurz und bündig. Jedes Kapitel spielt zu einer bestimmten Uhrzeit und beschreibt verschiedene Blickwinkel von Tokyo bei Nacht. Wir haben es bei dem Buch mit komplett verschiedenen Protagonisten zu tun, manche sind eher Randfiguren, andere nehmen eine sehr zentrale Rolle ein. Neben den beiden Schwestern Eri und Mari haben wir es noch mit dem Posaunisten Tetsuya zu tun, der ein letztes Mal mit seiner Band proben will, bevor er sich dem Ernst des Lebens wirklich widmet. Außerdem haben wir noch Kaoru, die Geschäftsführerin eines Love-Hotels, die äußerst offen und ehrlich spricht, sich für ihre Angestellten und Freunde einsetzt. Guo Dong Lu ist eine junge Prostituierte im Love-Hotel, die nur chinesisch, nicht aber japanisch, spricht und schreckliches Leid erfährt. Grille arbeitet im Love-Hotel als Mädchen für alles. Natürlich heißt sie nicht wirklich Grille, mit dem Job hat sie nur auch eine neue Identität angenommen. Ihr fällt es schwer sich zu öffnen, gegenüber Mari verspürt sie aber Vertrauen. Und dann haben wir noch den skrupellosen Freier Shirokawa, der bei VERITECH, einem Marketing Unternehmen arbeitet. Sehr verschiedene Charaktere, die unterschiedliche Einblicke in ihre einzelnen Schicksale liefern, aber durchaus eine gemeinsame Verbindung vorliegt.

Murakami zeigt fast durchgängig einen direkten geradlinigen Schreibstil, der es einfach macht zu folgen. Unzählige Vergleiche und bildliche Beschreibungen runden das Ganze ab. Ausgenommen sind hiervon allerdings die Kapiteleinschübe zu Eri, der Schwester des Hauptcharakters Mari. Diese sind zunächst vollkommen unverständlich und merkwürdig surreal. Als Leser spürt man schnell, dass etwas nicht stimmt, sie Depressionen hat und sich in einer parallelen Welt – fernab von Tokyos Nachtleben – befindet. Erst durch die Gespräche, die Mari, die intelligente junge Schwester, im Verlauf dieser beschriebenen Nacht mit verschiedenen Menschen führt, wird das Bild nach und nach rund. Stück für Stück erfährt der Leser mehr Details. Immer andere neue Indizien kommen hinzu, die einen zunächst nur beiläufigen losen Gedanken zur traurigen Gewissheit als Ursache hinter der Depression werden lassen.

Alles in allem hat mir das Buch gefallen. Ob es langfristig im Gedächtnis bleibt, wird sich zeigen.

Meine Bewertung zum Buch:

Story

Originalität

Spannung

Überraschungseffekt

Schreibstil

Weiterempfehlung

Gesamt

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